Samstag, 14. April 2007
Freitag, 6. April 2007
Einmal mehr Brauneck
Karfreitag. Nach einer ziemlich verrückten Arbeitswoche bist Du froh, dass Du Dich auf der Autobahn Richtung Süden wieder findest. Nach kurzer Überlegung entscheidest Du Dich, wieder einmal ans Brauneck zu fahren. Morgen kommt dann Garmisch dran.
Lenggries, Parkplatz Brauneckbahn. Neben Dir packt Nina. Sie
hat schon ihren Schirm auf dem Rücken und macht sich zur Bergbahn auf. Nachdem Du vom Liftpersonal freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen worden bist, dass Dein Bergbahn-Ticket abgelaufen ist und Du daraufhin ein Neues erworben hast, öffnet sich auch für Dich das Drehkreuz der
Kabinenbahn.
Die Gondel zockelt langsam den Berg hinauf. Das Lenggrieser Tal weitet sich vor Dir. Lasten beginnen abzufallen. Ruhe. Tog-tog-tog – die erste Seilbahnstütze. Wieder Ruhe. Ein bisschen schaukelt es. Das tut irgendwie gut.
An der Bergstation empfängt Dich ein frischer Südwind. Nicht schlimm, gerade recht. Du steigst zum Südstartplatz hoch. Es ist erst kurz vor zehn. Nina steht oben mit drei anderen Piloten. Irgendwie ungewöhnlich leer. Ihr tratscht. Starten hat Zeit. Von Nina erfährst Du, dass Burkis neues Buch ganz gut geht und die Erwartungen erfüllt. Das freut Dich.
Du machst Dich langsam startklar. Nach dem Wetterbericht erwartest Du heute gute Bedingungen, um lange oben bleiben zu können. Vielleicht kannst Du zur Benewand fliegen. Du hast extra Dein Trinksystem aufgefüllt und an was zu futtern für unterwegs gedacht.
Kurz nach halb elf. Du ziehst Deinen Schirm auf. Dann zwei Schritte und Du hebst sanft ab. Der Hausbart steht zuverlässig an seinem Platz. Schnell schraubst Du Dich auf etwas über 1.800 m. Oben angekommen fliegst Du sofort straight on Richtung Latschkopf.
Kaum bist Du unterwegs setzt über 2 m/s Sinken ein. Super! Du bleibst genau über dem Kamm. Es wird schon wieder aufhören. Du fliegst weiter. Jetzt 3,5 m/s. Der Kamm kommt schon näher. Trotzdem weiter! Der Kamm kommt bedrohlich nah. Nichts. Nur Sinken! Jetzt musst Du abdrehen. Du entscheidest Dich für die Südseite, weil der Wind ja gerade noch beim Start von da kam. Fehlentscheidung! Zwischenzeitlich hatte der Wind auf Nord umgeschlagen und zwar nicht zu knapp. Das wird Dir mit 4 m/s Sinken quittiert. Du bist froh, dass Du schnell vom Kamm wegkommst. Vielleicht wird es Richtung Jachenau wieder besser. Du fliegst also weit nach Süden. Immer nur Sinken, Sinken, Sinken.
Du bist schon weit unter Gradniveau. Du drehst nach Osten, in der Hoffnung wenigsten noch am Kotiger Stein einen Bart zu finden. Mit Ach und Krach schaffst Du es bis dahin. Aber am Kotiger Stein rührt sich auch nichts. Es geht weiter mit 2 bis 3 m runter. Du hältst auf Wegscheid zu, denn den Landeplatz an der Talstation der Brauneckbahn erreichst Du so nicht mehr.
Über der Blaickenberg-Alm wirst Du plötzlich unsanft in Dein Gurtzeug gepresst. Dein Schirm kippt nach hinten und Dein Vario piepst und jault auf. Dann ist es auch schon wieder leise. Gespenstische Ruhe. Du schaust nach oben. Wie Dein Schirm beginnt vorzuschießen, greifst Du kräftig in die Steuerleinen. Das verhindert einen Frontklapper. Ein kleiner Entlaster an der Nase bleibt übrig. Jetzt sind aber die Bäume schon ziemlich nahe. Und das Sinken geht immer weiter…
Der Talwind aus Norden hat Dich jetzt fest im Griff. Du lässt Dich mit ihm nach Süden versetzen. Dort wird die Luft ruhiger. Und sie trägt wieder. Mit normalem Gleiten fliegst Du vor, bis zu den ersten Bauernhöfen und landest dort sicher bei ziemlich steifem Talwind.
Vom Hof kommt ein Mischling auf Dich zugewetzt und bellt Dich an. Du lässt noch mal kurz den Schirm steigen. Das lässt den Hund in sicherer Entfernung abrupt abbremsen. Von da kläfft er weiter. Du kümmerst Dich nicht weiter um ihn und packst zusammen.
Der Hund hat neben Dir Platz gemacht und guckt interessiert jeder Handbewegung von Dir zu. Als Du Deinen Rucksack zu machst, kommt er näher. Du lässt ihn an Deiner Hand schnüffeln. Dann begleitet Dich der Hund treu auf Deinem Rückweg zur Brauneckbahn-Talstation. Erst kurz vor der Landewiese bleibt er stehen und sieht Dir zu, wie Du weitergehst. Vor der Wegbiegung blickst Du zurück. Der Hund sitzt auf dem Weg und guckt Dir nach. Du winkst ihm und er dreht sich um und läuft heim.
Wieder an der Talstation angekommen, checkst Du gleich in den Brauneck-Express noch oben ein. Am Himmel kreisen jetzt eine ganze Menge andere Paragleiter. Etwas Ärger macht sich in Dir breit. Warum bist Du hier unten und die da oben?
Am Nordstartplatz ist nicht viel los. Allerdings steht der Wind kräftig an. Die Piloten, die es können, starten elegant rückwärts raus. Andere versuchen es sogar vorwärts. Es will aber natürlich nicht klappen. Es braucht sieben ziemlich unbeholfene Versuche mit mehreren Helfern bis ein offensichtlich wenig geübter Kollege mehr recht als schlecht in einer Windpause in die Luft kommt. Eigentlich hätte man ihm sagen müssen, dass das heute wohl eher nichts für ihn ist. Aber keiner wollte was sagen…
Du ziehst genüsslich Deinen Schirm auf und hebst ab. Der Nordwind steht stramm an, so dass Du am Grad entlang gut Höhe machen kannst. Zwei Mal hin und her und Du hast eine komfortable Startüberhöhung gewonnen.
Nach längerem holprigem und ziellosem Rumkurbeln begibst Du Dich zum Kogelberg. Völlig aus dem Nichts kassierst Du einen Frontklapper. Der ist aber so schnell vorbei, wie er gekommen war.
Da die Demelspitze schön im Talwind steht und ein Paragleiter bereits am Umsetzer soart, fliegst Du knapp über der Bergbahn dicht an die Bergflanke. In engen Achtern soarst Du vor der Demelspitze hoch.
Darüber zwei Achter vor dem Umsetzer und dann rüber zum Brunnstein. Der Talwind steht ziemlich auf dem Berg und Du siehst zu, dass Du nicht ins Lee der Demelspitz kommst, das bis zum Waxenstein reichen kann. Entsprechend turbulent fühlt es sich an, wenn Du vom Brunnstein etwas weiter in den Kessel fliegst.
Über dem Brunnstein findest Du noch mal thermischen Anschluss. Du drehst noch ein paar
Kreise und lässt es dann aber gut sein. In einem weiten Bogen fliegst Du zum Landeplatz, wo der Windsack im Talwind senkrecht steht. Die Landung ist trotzdem völlig problemlos. Du spielst noch etwas mit Deinem Schirm im Talwind.
Lenggries, Parkplatz Brauneckbahn. Neben Dir packt Nina. Sie
Die Gondel zockelt langsam den Berg hinauf. Das Lenggrieser Tal weitet sich vor Dir. Lasten beginnen abzufallen. Ruhe. Tog-tog-tog – die erste Seilbahnstütze. Wieder Ruhe. Ein bisschen schaukelt es. Das tut irgendwie gut.
An der Bergstation empfängt Dich ein frischer Südwind. Nicht schlimm, gerade recht. Du steigst zum Südstartplatz hoch. Es ist erst kurz vor zehn. Nina steht oben mit drei anderen Piloten. Irgendwie ungewöhnlich leer. Ihr tratscht. Starten hat Zeit. Von Nina erfährst Du, dass Burkis neues Buch ganz gut geht und die Erwartungen erfüllt. Das freut Dich.
Kaum bist Du unterwegs setzt über 2 m/s Sinken ein. Super! Du bleibst genau über dem Kamm. Es wird schon wieder aufhören. Du fliegst weiter. Jetzt 3,5 m/s. Der Kamm kommt schon näher. Trotzdem weiter! Der Kamm kommt bedrohlich nah. Nichts. Nur Sinken! Jetzt musst Du abdrehen. Du entscheidest Dich für die Südseite, weil der Wind ja gerade noch beim Start von da kam. Fehlentscheidung! Zwischenzeitlich hatte der Wind auf Nord umgeschlagen und zwar nicht zu knapp. Das wird Dir mit 4 m/s Sinken quittiert. Du bist froh, dass Du schnell vom Kamm wegkommst. Vielleicht wird es Richtung Jachenau wieder besser. Du fliegst also weit nach Süden. Immer nur Sinken, Sinken, Sinken.
Du bist schon weit unter Gradniveau. Du drehst nach Osten, in der Hoffnung wenigsten noch am Kotiger Stein einen Bart zu finden. Mit Ach und Krach schaffst Du es bis dahin. Aber am Kotiger Stein rührt sich auch nichts. Es geht weiter mit 2 bis 3 m runter. Du hältst auf Wegscheid zu, denn den Landeplatz an der Talstation der Brauneckbahn erreichst Du so nicht mehr.
Über der Blaickenberg-Alm wirst Du plötzlich unsanft in Dein Gurtzeug gepresst. Dein Schirm kippt nach hinten und Dein Vario piepst und jault auf. Dann ist es auch schon wieder leise. Gespenstische Ruhe. Du schaust nach oben. Wie Dein Schirm beginnt vorzuschießen, greifst Du kräftig in die Steuerleinen. Das verhindert einen Frontklapper. Ein kleiner Entlaster an der Nase bleibt übrig. Jetzt sind aber die Bäume schon ziemlich nahe. Und das Sinken geht immer weiter…
Der Talwind aus Norden hat Dich jetzt fest im Griff. Du lässt Dich mit ihm nach Süden versetzen. Dort wird die Luft ruhiger. Und sie trägt wieder. Mit normalem Gleiten fliegst Du vor, bis zu den ersten Bauernhöfen und landest dort sicher bei ziemlich steifem Talwind.
Vom Hof kommt ein Mischling auf Dich zugewetzt und bellt Dich an. Du lässt noch mal kurz den Schirm steigen. Das lässt den Hund in sicherer Entfernung abrupt abbremsen. Von da kläfft er weiter. Du kümmerst Dich nicht weiter um ihn und packst zusammen.
Der Hund hat neben Dir Platz gemacht und guckt interessiert jeder Handbewegung von Dir zu. Als Du Deinen Rucksack zu machst, kommt er näher. Du lässt ihn an Deiner Hand schnüffeln. Dann begleitet Dich der Hund treu auf Deinem Rückweg zur Brauneckbahn-Talstation. Erst kurz vor der Landewiese bleibt er stehen und sieht Dir zu, wie Du weitergehst. Vor der Wegbiegung blickst Du zurück. Der Hund sitzt auf dem Weg und guckt Dir nach. Du winkst ihm und er dreht sich um und läuft heim.
Wieder an der Talstation angekommen, checkst Du gleich in den Brauneck-Express noch oben ein. Am Himmel kreisen jetzt eine ganze Menge andere Paragleiter. Etwas Ärger macht sich in Dir breit. Warum bist Du hier unten und die da oben?
Am Nordstartplatz ist nicht viel los. Allerdings steht der Wind kräftig an. Die Piloten, die es können, starten elegant rückwärts raus. Andere versuchen es sogar vorwärts. Es will aber natürlich nicht klappen. Es braucht sieben ziemlich unbeholfene Versuche mit mehreren Helfern bis ein offensichtlich wenig geübter Kollege mehr recht als schlecht in einer Windpause in die Luft kommt. Eigentlich hätte man ihm sagen müssen, dass das heute wohl eher nichts für ihn ist. Aber keiner wollte was sagen…
Du ziehst genüsslich Deinen Schirm auf und hebst ab. Der Nordwind steht stramm an, so dass Du am Grad entlang gut Höhe machen kannst. Zwei Mal hin und her und Du hast eine komfortable Startüberhöhung gewonnen.
Du fliegst gen Längentalkopf und machst noch mal ein paar Meter Höhe. Je höher Du kommst, desto ruppiger wird es. Ein Weiterfliegen zum Stangeneck verwirfst Du, weil Du ganz allein dort unterwegs wärst. Du fliegst zum Brauneck zurück. Dort kommt Dir der Supervorwärtsstarter pendelnd entgegen, jeweils mit den entsprechend einklappenden Öhrchen! Du hältst besser mal Abstand und hoffst, dass sich der Kerl heute nicht noch etwas tut.
Da die Demelspitze schön im Talwind steht und ein Paragleiter bereits am Umsetzer soart, fliegst Du knapp über der Bergbahn dicht an die Bergflanke. In engen Achtern soarst Du vor der Demelspitze hoch.
Über dem Brunnstein findest Du noch mal thermischen Anschluss. Du drehst noch ein paar
Montag, 2. April 2007
Erste Frühjahrsthermik am Brauneck
Die Sonne ist schon richtig warm. Es wird Frühling. Du sitzt auf der Holzbank vor Ludwigs Gleitschrimschule. Ludwig und Max sind eifrig dabei, Leihschirme zu verteilen. Du schaust dem Treiben zu und entspannst Dich.
Der Patscherkofel meldet zwar kräftigen Südwind. Das ist heute aber kein Grund, Flugpläne zu verwerfen. Der Hochdruckeinfluss aus Norden dürfte sich schon durchsetzen.
Ursula, David, Susanne und Stefan trudeln auch schon ein. Ihr fahrt die Bergbahn hoch. Oben ist herrlichstes Flugwetter. Am Gipfel wird fleißig nach Süden gestartet. Ihr macht Euch zum Startplatz auf. Auf dem Weg fliegt ein Gleitschirm dicht über Eure Köpfe. Kurz drauf raschelt es in den Bäumen hinter Euch und der Kerlemann liegt am Boden. Zum Glück ist nichts passiert… Vielleicht wäre hier ein Besuch bei einem Optiker nicht schlecht.
Am Startplatz ist es voll. Der Wind steht schön aus Süden an. Einige Piloten starten zügig raus. Andere tritscheln endlos. Du wartest ewig, bis Du an die Reihe kommst. Dann dreht der Wind schlagartig auf Nord. Einige Thermikblasen ziehen noch den Startplatz hoch und verleiten Dich zu einem Startversuch, der aber erwartungsgemäß in die Hosen geht. Mühsam schleppst Du Deinen Schirm wieder hoch. Dir wird heiß und Dir läuft die Soße runter.
Okay, dann zum Nordstartplatz. Es scheint, dass die Thermik auch weg ist. Am Nordstartplatz geht es viel schneller. Endlich, you are air born!
Wow, und gleich rechts geht eine Blubberblase hoch. Die packst Du Dir. Irgendwie ist die Blase ziemlich klein. Du wirst sofort wieder rausgeworfen. Mit ein bisschen Biss kannst Du aber das Ding einigermaßen einkreisen. Es geht ruppig nach oben. Du überhöhst den Startplatz. Im Südwesten baut sich ein Kumulus auf. Du schaust, dass Du im Luv den Aufwind dahin erwischt. Bei 1.800 m geht dem Bart aber die Puste aus. Ein Kollege schafft es noch 100 m höher. Egal, Du genießt die Aussicht, soweit das bei den holperigen Verhältnissen möglich ist. An Fotografieren ist nicht zu denken. Schade. Du kannst weit ins Alpenvorland blicken, im Nordwesten der Starnberger See, ziemlich genau im Norden München. Der Süden wartet mit einem grandiosen Blick auf die Alpennordkette auf. Super genial!
Deine Finger beginnen einzufrieren. Es ist zapfig kalt hier oben. Du nimmst die Arme kurz von den Steuerleinen, um sie nach unter zu halten, damit Blut nachfließen kann. Zack! Schon klappt die linke Schirmseite ein. Ein schneller Griff in die Steuerleinen verhindert Schlimmeres. Deine Finger werden also vorerst frieren müssen.
Du fliegst weiter Richtung Kogelberg. Auf halben Weg dahin zeigt Dir ein Drachen einen smoothen Bart. Das Steigen ist total weich. Die Windgeräusche sind seltsam leise. Dein Vario piepst gleichmäßig vor sich hin. Du bist genau im Zentrum. Kreis für Kreis kannst Du weiter über den Horizont sehen. Du bist in Deinem Element.
Über der Gipfelstation der Brauneckbahn ist die Luft zwischenzeitlich stark rippstop-haltig geworden. Anders der Latschenkopf. Der Ergeiz packt Dich und Du machst Dich auf den Weg dorthin. Du hältst Dich nördlich vom Brauneck. Links unter Dir lässt Du den Nordstartplatz liegen. Ein Blick auf Dein GPS verrät Groundspeed mit über 50 km/h ohne Beschleuniger. Irgendwie nicht so toll, wenn Du unproblematisch zurückkommen willst. Über dem Schrödelstein verlässt Dich Dein anfänglicher Mut. An seinem unteren Eck nimmst Du noch einen super ruppigen Bart mit. Dann drehst Du um und wirst mit 2 ½ Metern Sinken bei 18 km/h Groundspeed belohnt. Aber Deine Höhe reicht.
Du gleitest auf Kammhöhe zurück zum Kogelberg. Dort bekommst Du Widererwarten einen super smoothen Bart, der Dich auf 1.850 m trägt. Genial.
Jetzt melden sich Deine Finger. Sie schmerzen vor Kälte. Auch Hunger macht sich breit. In einem großen Bogen über das Lenggrieser Tal fliegst Du zum Landeplatz. Deine Finger tauen auf. Hui-hui-hui, das brennt!
Touch down. Du bist glücklich.
Der Patscherkofel meldet zwar kräftigen Südwind. Das ist heute aber kein Grund, Flugpläne zu verwerfen. Der Hochdruckeinfluss aus Norden dürfte sich schon durchsetzen.
Ursula, David, Susanne und Stefan trudeln auch schon ein. Ihr fahrt die Bergbahn hoch. Oben ist herrlichstes Flugwetter. Am Gipfel wird fleißig nach Süden gestartet. Ihr macht Euch zum Startplatz auf. Auf dem Weg fliegt ein Gleitschirm dicht über Eure Köpfe. Kurz drauf raschelt es in den Bäumen hinter Euch und der Kerlemann liegt am Boden. Zum Glück ist nichts passiert… Vielleicht wäre hier ein Besuch bei einem Optiker nicht schlecht.
Am Startplatz ist es voll. Der Wind steht schön aus Süden an. Einige Piloten starten zügig raus. Andere tritscheln endlos. Du wartest ewig, bis Du an die Reihe kommst. Dann dreht der Wind schlagartig auf Nord. Einige Thermikblasen ziehen noch den Startplatz hoch und verleiten Dich zu einem Startversuch, der aber erwartungsgemäß in die Hosen geht. Mühsam schleppst Du Deinen Schirm wieder hoch. Dir wird heiß und Dir läuft die Soße runter.
Okay, dann zum Nordstartplatz. Es scheint, dass die Thermik auch weg ist. Am Nordstartplatz geht es viel schneller. Endlich, you are air born!
Wow, und gleich rechts geht eine Blubberblase hoch. Die packst Du Dir. Irgendwie ist die Blase ziemlich klein. Du wirst sofort wieder rausgeworfen. Mit ein bisschen Biss kannst Du aber das Ding einigermaßen einkreisen. Es geht ruppig nach oben. Du überhöhst den Startplatz. Im Südwesten baut sich ein Kumulus auf. Du schaust, dass Du im Luv den Aufwind dahin erwischt. Bei 1.800 m geht dem Bart aber die Puste aus. Ein Kollege schafft es noch 100 m höher. Egal, Du genießt die Aussicht, soweit das bei den holperigen Verhältnissen möglich ist. An Fotografieren ist nicht zu denken. Schade. Du kannst weit ins Alpenvorland blicken, im Nordwesten der Starnberger See, ziemlich genau im Norden München. Der Süden wartet mit einem grandiosen Blick auf die Alpennordkette auf. Super genial!
Deine Finger beginnen einzufrieren. Es ist zapfig kalt hier oben. Du nimmst die Arme kurz von den Steuerleinen, um sie nach unter zu halten, damit Blut nachfließen kann. Zack! Schon klappt die linke Schirmseite ein. Ein schneller Griff in die Steuerleinen verhindert Schlimmeres. Deine Finger werden also vorerst frieren müssen.
Du fliegst weiter Richtung Kogelberg. Auf halben Weg dahin zeigt Dir ein Drachen einen smoothen Bart. Das Steigen ist total weich. Die Windgeräusche sind seltsam leise. Dein Vario piepst gleichmäßig vor sich hin. Du bist genau im Zentrum. Kreis für Kreis kannst Du weiter über den Horizont sehen. Du bist in Deinem Element.
Über der Gipfelstation der Brauneckbahn ist die Luft zwischenzeitlich stark rippstop-haltig geworden. Anders der Latschenkopf. Der Ergeiz packt Dich und Du machst Dich auf den Weg dorthin. Du hältst Dich nördlich vom Brauneck. Links unter Dir lässt Du den Nordstartplatz liegen. Ein Blick auf Dein GPS verrät Groundspeed mit über 50 km/h ohne Beschleuniger. Irgendwie nicht so toll, wenn Du unproblematisch zurückkommen willst. Über dem Schrödelstein verlässt Dich Dein anfänglicher Mut. An seinem unteren Eck nimmst Du noch einen super ruppigen Bart mit. Dann drehst Du um und wirst mit 2 ½ Metern Sinken bei 18 km/h Groundspeed belohnt. Aber Deine Höhe reicht.
Du gleitest auf Kammhöhe zurück zum Kogelberg. Dort bekommst Du Widererwarten einen super smoothen Bart, der Dich auf 1.850 m trägt. Genial.
Jetzt melden sich Deine Finger. Sie schmerzen vor Kälte. Auch Hunger macht sich breit. In einem großen Bogen über das Lenggrieser Tal fliegst Du zum Landeplatz. Deine Finger tauen auf. Hui-hui-hui, das brennt!
Touch down. Du bist glücklich.
Donnerstag, 22. März 2007
Mittwoch, 7. März 2007
Dienstag, 6. März 2007
Samstag, 17. Februar 2007
Samstag, 10. Februar 2007
Donnerstag, 14. Dezember 2006
Winterflug vom Wallberg
Rechts neben der Tür steht die Aktentasche. Du greifst nach links zum Paragleiter. Zufriedenheit macht sich in dir breit. Im Treppenhaus auf dem Weg zur Tiefgarage erntest du erstaunte Blicke. Man kennt dich nur im Anzug, nicht mit großem Rucksack. Du bist auf dem richtigen Weg.
Auf dem Mittleren Ring ist der Berufsverkehr im vollem Gang. Heute drehst du das Radio auf. Das Leben kann so schön sein. Du trietschelst gelassen bis zum Luise-Kieselbach-Platz. Dann rauf auf die A95 und gib ihm.
Es ist kaum 8 Uhr, da tut sich der Tegernsee vor dir auf. Spiegelblank liegt er da. Das Radio nervt jetzt. Du fährst am See entlang. Die Sonne strahlt. In Bad Wiessee holst du dir beim Bäcker ein anständiges Spätstück.
Auf dem Parkplatz der Wallbergbahn steht kein einziges Auto. Sehr gut! "Servus" wirst du schlicht beim Einsteigen in die Gondel gegrüßt, als ob du jeden Tag einsteigen würdest. Mit ein paar kleinen Rucklern beschleunigt die Gondel aus der Talstation. Ruhe.
Die Gondel schwingt sich über die erste Stütze. Unter dir breitet sich langsam das Tegernseer Tal aus. Rottach-Eggern. Darhinter der Tegernsee. Du genießt die Bergfahrt und lässt deinen Blick schweifen.
Der Himmel ist wolkenlos und tief blau. Obwohl es eiskalt ist, ist dir warm. Natur pur. Genial. Du setzt dich in den Schnee und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein.
Der Windsack auf der Alm zeigt Westwind. Das passt auch nicht gut. Das Rentnerehepaar geht an dir vorbei und der Mann fragt mit einem gewissen triumphierenden Unterton in seiner Stimme, ob dich jetzt der Mut verlassen hat. Dir liegt an dem schönen Tag, drum verkneifst du dir einen Kommentar.
Der Weg zur Alm ist nicht weit. Die paar Schritte bergauf sind herrlich. Dein Kreislauf meldet sich mit einem freudigen Hallöchen: "Komm, lass uns was anstellen!" Auf der Alm weht der Wind quer zur eigentlichen Startrichtung. Mit etwas Fingerspitzengefühl kann man aber gut starten. Die Luft riecht herrlich.
Du ziehst kurz an den A-Leinen. Schon steht der Schirm über dir. Du drehst dich nach vorn. Zwei Schritte und der Schirm hebt dich sanft vom Schnee ab. Die Luft rauscht. Die Bäume gleiten unter dir weg. Es trägt. Federleicht. Du genießt die Schwerelosigkeit.
Du ziehst noch einen Kreis. Dann setzt du zur Landung an. Kaum haben deine Füße den Erdboden wieder berührt, entleert sich der Schirm und sinkt lautlos herab. Hier und jetzt. Du bist glücklich!
Mittags sitzt du wieder brav an deinem Schreibtisch. Alles ist gut. Nichts ist kaputt.
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